Ablauf der Lernförderung mit Pferden / Iris Gust

So läuft eine Trainingseinheit ab

Jede Trainingseinheit verbindet Wahrnehmungstraining, Begewegung und gezielte Lernförderung miteinander. 

Das Pferd schafft dabei einen motivierenden Rahmen, spricht viele Sinne gleichzeitig an und ermöglicht Lernen in Bewegung.

Ein Einzeltraining dauert 60 Minuten. 

 

1. Ankommen und Begrüßung

 Zu Beginn überlegen wir gemeinsam, welches Pferd in der Einheit mitarbeiten soll.

 In aller Regel haben die Kinder bereits nach den ersten Einheiten "ihren Pferdeliebling" gefunden. Wir holen das Pferd gemeinsam, putzen es und bereiten es für die Stunde vor. 

 

2. Bewegung und Konzentration

Anschließend starten wir mit einer Bewegungsphase. Häufig arbeiten wir mit einem Parcours aus Elementen der Bodenarbeit. Der Parcours kann gemeinsam mit dem Kind aufgebaut werden und wird immer neu an das jeweilige Förderziel angepasst. Bewegung, Orientierung und Konzentration werden so miteinander verbunden.

3. Wahrnehmungstraining

In die Bewegungsaufgaben integriere ich gezielt Übungen zur visuellen und auditiven Wahrnehmung, Merkfähigkeit, Konzentration und Raumorientierung.

Das Kind nimmt Informationen auf, verarbeitet sie, erinnert sich und setzt sie handelnd um. Durch die Verbindung mit Bewegung und Pferd entstehen abwechslungsreiche Lernsituationen, in denen wichtige Grundlagen für erfolgreiches Lesen, Schreiben und Rechnen gefördert werden.

Hier: Raum-Lage-Orientierung

4. Gezieltes Symptomtraining

Darauf aufbauend erfolgt das gezielte Training in Deutsch oder Mathematik. Die Aufgaben orientieren sich am individuellen Lernstand und an den konkreten Schwierigkeiten des Kindes. Je nach Bedarf arbeiten wir an der Buchstaben-Laut-Zuordnung, Silbenlesen, sinnerfassendem Lesen oder am Mengenverständnis, an Zahlbeziehungen und der Orientierung in unterschiedlichen Zahlenräumen.

Auch diese Lerninhalte werden mit Bewegung, Handlung und dem Pferd verbunden.

Hier: Zahlen angeln-Zahlbeziehungen verstehen

5. Abschluss und Erfolg erleben

Zum Ende der Stunde nehmen wir uns Zeit für einen ruhigen Abschluss. Wir schauen gemeinsam darauf, was gut gelungen ist, versorgen das Pferd und beenden die Stunde mit einem positiven Erlebnis. 

Ein Blick in die Praxis

Sommer, Eis & Silbenlesen

 

Bei dieser Trainingseinheit stand das Silbenlesen und die phonologische Bewusstheit im Mittelpunkt. Das Trainingskind besucht die 2. Klasse. 

 

Im Parcours waren verschiedene sommerliche Bildkarten verteilt. Gemeinsam mit ihrem Lieblingspferd Goldvin suchte das Kind die einzelnen Bilder, benannte die Wörter und ordnete den passenden Artikel zu.

 

Dabei wurden gleichzeitig visuelle Wahrnehmung, Merkfähigkeit und Konzentration gefördert. 

 

Anschließend wurden die Wörter in Silben zerlegt und geklatscht. Die einzelnen Silben waren als Eiskugeln in der Reithalle verteilt. Das Kind sammelte die passenden Silben ein und setzte daraus auf einem Eishörnchen das vollständige Wort zusammen.

 

 

Sommerwörter im Parcours

Silben als Eiskugeln

Lernen in Bewegung

Wahrnehmungstraining, Bewegung mit dem Pferd und Symptomtraining greifen dabei nahtlos ineinander.

Was wird konkret gefördert? 
Das 3-Säulen-Modell am Beispiel : 
"Sommer, Eis & Silben"
 

Was wird gefördert?

 

Koordination, räumliche Orientierung, rhythmische Bewegung, Motivation

 

 

Visuelle Wahrnehmung, Raum Lage Orientierung

 

 

Wortschatzarbeit, Sicherheit im Gebrauch der Artikel 

 

 

Raum Lage Orientierung, visuelles Gedächtnis, Konzentration

 

 

Phonologische Bewusstheit, Wahrnehmung der Wortstruktur, Silbensegmentierung

 

Silbenerkennung und -unterscheidung, visuelle Wahrnehmung, zielgerichtete Bewegung, Raum Lage Orientierung

 

Wörter zerlegen und aus einzelnen Silben wieder zusammensetzen, Rechtschreibtraining 

Säule

 

Bewegungstraining

 

 

 

 

Wahrnehmungstraining

 

 

 

Symptomtraining

 

 

 

Wahrnehmungstraining

 

 

 

Symptomtraining

 

 

 

Symptomtraining

Wahrnehmung

Bewegung 

 

 

 

Symptomtraining

 

 

Was macht das Kind?

 

Das Kind führt das Pferd durch

den aufgebauten Parcours.

 

 

 

Es sucht an den Stationen 

versteckte Bildkarten.

 

 

Es findet z.B. die Melone und 

benennt das Wort mit dem 

passenden Artikel.

 

Es merkt sich, welches Bild an

welcher Station lag.

 

 

Es spricht "Melone", klatscht 

Me-lo-ne und bestimmt die 

Anzahl der Silben.

 

Es sucht die passenden 

Eiskugeln mit ME-LO-NE

und sammelt sie mit dem

Pferd ein.

 

 

Es bringt die Eiskugeln

zur Eisdiele, ordnet sie 

und setzt ME-LO-NE 

als Wort zusammen.

 

 

 

Individuell angepasst (im oben dargestellten Praxisbeispiel für ein Kind im 2. Schuljahr):

 

Anzahl und Schwierigkeitesgrad der im Parcours eingesetzten Aufgaben und Karten orientieren sich am individuellen Ist-Stand des Kindes und an seiner persönlichen Null-Fehler-Grenze. So wird die Förderung weder über- noch unterfordernd gestaltet und kann Schritt für Schritt angepasst werden.

©Lernförderung mit Pferden - Iris Gust. Alle Rechte vorbehalten.

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